Mein Lineup

Verfasst von Ulrich Witt. Veröffentlicht in Ullis Foto-Blog

Ostern 2020 - alle Welt ist wegen Corona zuhause. Ich auch. Und ich hatte Zeit und Muße, mich meinem "Fuhrpark" zu widmen, also meiner Sammlung (oder neudeutsch: Lineup) von Objektiven, die ich mehr oder weniger regelmäßig in Benutzung, zumindest aber in meinem großen Fotokoffer habe. Hier also die Übersicht, verbunden mit einem ersten kurzen Kommentar zu jedem Objektiv. Ausführlichere Reviews werden sicherlich noch folgen, aber als erster Eindruck sollte es eigentlich schon helfen.

Inhaltsverzeichnis[Anzeigen]
Ich habe meine Objektive einmal ohne Wertung gruppiert nach Festbrennweite, Zoomobjektiven und speziellen Makroobjektive, und dann jeweils anhand der (Anfangs-)Brennweite sortiert. So sollte man eigentlich einen guten Überblick bekommen. Ich möchte bei der Gelegenheit übrigens auch auf die Seite artaphot.ch verweisen, wo es zu vielen A-Mount-Objektiven eine sehr gute Zusammenfassung mit Qualitätseinschätzungen gibt.

1. Festbrennweiten:

1.1. Minolta AF 24mm F2.8

Ein kleines und feines Weitwinkel: Wenn ich es nicht gerade drauf habe, dann ist es griffbereit in meiner Fototasche. Mit seinen gecropten 36mm für mich perfekt, um damit mit der Kamera am Handgelenk durch die Straßen zu wandern. Zusammen mit meinem 35-105mm F3.5-4.5 bildet das 24mm mein "all-day-package".

1.2. Minolta AF 28mm F2.8

Eines der Objektive aus dem Nachlass meines Vaters - und damit eines der Gründe, warum ich überhaupt mit dem Fotografieren angefangen habe. In der Abbildungsqualität vielleicht eine Nuance schlechter als mein 24mm F2.8, aber noch kleiner und noch handlicher als dieses. Als meine Frau und ich ein Set für sie zusammengestellt haben, habe ich es ruhigen Gewissens an sie weitergegeben.

1.3. Minolta AF 50mm F1.4

Mein Lieblingsobjektiv, wenn es um Portraits geht und ich nur auf das Licht vor Ort zurückgreifen kann. Ein Klassiker (auch wenn modernere und vergleichbar lichtstarke 50er sicherlich besser sind)

1.4. Minolta AF 135mm F2.8

Ich gebe zu: es war der Preis, der mich zum Kauf verleitet hat, denn eigentlich lag/liegt mein Fokus auf einem 2.8er Telezoom (also sowas zwischen 70/80mm bis 200mm). Aber die waren selbst auf dem Gebrauchtmarkt noch jenseits dessen, was ich meinem Budget zumuten will. Da ich aber u.a. ein Orchester fotografisch begleite, brauchte ich etwas Lichtstarkes im Telebereich, und da kam mir das 135mm für knapp unter 100,- € gerade recht. Und es hat wieder den Vorteil, klein und unscheinbar zu sein. Also eigentlich genau das Richtige, wenn ich nicht auffallen und stören will.

1.5. Minolta AF 500mm F8 REFLEX

Definitv ein Unikum: das einzige jemals mit Autofokus versehene 500mm-Spiegeltele-Objektiv der Welt. Ich fand es für 150,- € mit allem Zubehör in einer 12m² großen, bis oben zugeramschten Trödelbutze. Ich hatte bisher noch nich die Gelegenheit, auf Tiersafari zu gehen, aber wenn... ja, dann... dann werde ich auch das 500er mit im Gepäck haben... Aber wie sagte schon mein Großvater immer: "Haben ist besser als Brauchen". Und es tat mir einfach so leid, als ich es da stehen sah in diesem Laden...

1.6. Fehlt mir was?

Hm, gute Frage. Betrachte ich das, was ich aktuell fotografiere, dann gibt es momentan eigentlich nichts, was ich schmerzlich vermisse. 

  • ein Ultraweitwinkel oder ein Fisheye?
    Ja, für Landschafts- und/oder Astrofotografie wäre es sicherlich schön (insb. bei einer APS-C-Kamera), aber sind aktuell eher Bereiche der Fotografie, die mich (noch) nicht interessieren. Aber ich gebe zu, ich habe nichts, womit ich unter 36mm-APS-C-Äquivalent komme. Da hab ich eine Lücke.
  • lichtstarke 35-mm-, 85-mm- und/oder 100-mm-Objektive?
    Jaja, das große Sortiment der Festbrennweiten, und das in lichtstark. Das 35 und das 85 in 1.4, das 100 in 2.0. Wunderbare Objektive. Aber genau genommen auch "klassische Portrait-Objektive". Situationen, in denen ich ein Modell speziell positioniere und ggf. mit gezielter Lichtsetzung ein Bild komponiere, ist nicht das, was ich aktuell mache. Ich war bisher noch nicht in der Situation, dass ich ein Bild gar nicht machen konnte, weil mir diese Objektive fehlten. Insofern: schmerzlich vermisse ich die Objektive (noch) nicht, zumal ich ja zumindest das Minolta AF 100/2.8 MACRO habe.

2. Zoom-Objektive:

2.1. Minolta AF 28-85mm F3.5-4.5

Ein Zufallsfund auf einem Flohmarkt zu einer Zeit, wo ich gerade auf der Suche nach einem kleinen "Immerdrauf" war. Ich weiß gar nicht mehr, was ich bezahlt habe, aber viel war es nicht. Aber ich muss auch zugeben, dass es eines der schlechteren Objektive meiner Sammlung ist. Ich hab während der Corona-Muße mir mal die Zeit genommen, es direkt mit dem 35-105mm F3.5-4.5 zu vergleichen, und das 28-85mm war ihm auf fast allen Ebenen leider immer unterlegen. Vielleicht wird es meine Frau übergangsweise noch ein wenig nutzen - oder ich mal für ein ausführlicheres Review.

2.2. Minolta AF 28-135mm F4-4.5

Den famosen Qualitäten dieses Objektivs steht eigentlich nur eine Sache entgegen: man kann es auch als Mordwaffe benutzen. Mal eben so in die Jackentasche packen wie z.B. das 35-105mm F3.5-4.5 ist nicht drin. Es hat eher die Anmutung eines rundgelutschten Backsteins, so schwer ist es. Aber gerade die Millimeter mehr unten und oben, verbunden mit der großartigen Bildqualität sorgen halt dann doch immer wieder mal dafür, dass ich meine Tasche umpacke und "den Brocken" mitnehme.

2.3. Minolta AF 35-70mm F4

O.k., zu diesem Objektiv kann ich nicht viel sagen. Es wanderte kaum zwei Wochen nach meiner a6000 in mein Portfolio, aber leider auch ebenso schnell wieder hinaus, weil mir das 35-105mm F3.5-4.5 der 1. Generation in die Hände fiel. Aber wenn ich es mir so anschaue, dann ist seine "Größe" schon ziemlich faszinierend, denn meine Festbrennweiten sind nicht wirklich kleiner. Und wenn ich es heute so in der Hand habe, dann denke ich mir, dass ich dem Kleinen wohl doch mal eine Chance geben müsste. Vielleicht ist es ja doch der perfekte Partner zum 70-200mm F4.

2.4. Minolta AF 35-105mm F3.5-4.5

Es bildet zusammen mit meinem 24mm F2.8 "meine Standard-Ausrüstung für jeden Tag". Oder wie ein anderer Rezensent über dieses Objektiv schrieb: "Die erste, ganz aus Metall gebaute Version des Minolta AF 3.5-4.5/35-105mm – und nur diese! – ist trotz ihrer unspektakulären Eckdaten und der bescheidenen Nahgrenze von 1.5 m sehr aufwendig konstruiert, nämlich mit 14 Linsen in 12 Gruppen. Die Detailauflösung dieser ersten Version ist über das gesamte Bildfeld, den gesamten Brennweitenbereich und alle Blendenstufen hinweg ausgesprochen gut." Und ja, es stimmt. Aus dem Nachlass meines Vaters habe ich nämlich auch die 2. Version dieses Objektivs, und sein Vorgänger in allen Belangen besser. Zurecht mein aktuelles "Immerdrauf".

2.5. Minolta AF 70-210mm F4

Das "Ofenrohr". Oder wie die Amerikaner sagen: the "beercan" (was hinsichtlich seiner Größe die Sache perfekt beschreibt: exakt die größe einer 0,5 l Bierdose). Wohl eines der meistgebauten Objektive von Minolta, weshalb man es auf dem Gebrauchtmarkt auch in rauhen Mengen und guter Erhaltung zu Preisen zwischen 50 und 70 € findet. Aber es ist eben auch mechanisch gut gebaut und quasi unkaputtbar. Es ist meine Wahl, wenn ich mein "daily pack" aus 24mm & 35-105mm um ein Zoom nach oben ergänzen will. In den Rucksack passt es allemale. Eine Anmerkung am Rande: spannenderweise habe ich einige Seiten gefunden, die es als Portrait-Linse empfehlen und hier insbesondere auf die "Minolta-Farben" anspielen. Vielleicht keine zu schlechte Idee, denn in der Studio-Umgebung mit guten Lichtsituationen kommen einige Nachteile dieses alten Objektivs (insb. der langsame AF) nicht zum Tragen. Auf jeden Fall ein Objektiv, das man auch draußen "mal so nebenbei" dabei haben kann.

2.6. Minolta AF 75-300mm F4.5-5.6

Das "große Ofenrohr". Mit 865g ein Brocken, den man erstmal tragen muss. Das 70-210mm wiegt (nur) 695g, aber diese 170g Differenz merkt man. Ich bin mir noch nicht so ganz schlüssig, ob die 90mm dieses Mehrgewicht rechtfertigt, zumal es mit einer Blende von 5.6 am oberen Ende auch erkennbar lichtschwächer ist.

2.7. Tokina 80-200mm f2.8 AT-X PRO

Ich war schon länger auf der Suche nach einem lichtstarken Telezoom (für Innenaufnahmen mit "meinem" Orchester), weil ich bei den dort vorhandenen Lichtsituationen die ISO-Werte mit Minolta AF 70-210mm F4 zu schnell zu hoch schrauben musste. Für 280,- € konnte ich dann dieses Tokina-Objektiv in einem nahezu fabrikneuen Zustand erwerben. Mit fast 1.400g allerdings auch mit Abstand das schwerste Objektiv und keines, das man "mal so eben" mit auf einen Ausflug mitnehmen würde. Ja, es soll Schwächen mit chromatischen Aberrationen haben, aber ich warte erst einmal ab, wie es sich "indoors" so schlägt.

2.8. Fehlt mir was?

Tja, fehlt was? Hm, sagen wir es so: ich wende aktuell meinen Blick gezielter in den Bereich der Ultraweitwinkel-Zooms. Ehrlich gesagt habe ich nichts unterhalb von 24mm (was ja faktisch dank APS-C-Crop ja auch "nur" 36mm sind). Ich gebe zu, da habe ich eine Lücke. Aber brauche ich es jetzt wirklich "dringend"? Naja, ich warte mal ab, wie sich meine Fotografie so weiterentwickelt...

3. Macro-Objektive:

3.1. Auto Revuenon MC 50mm F1.4 (Pentax K)

Ich weiß, das hört sich seltsam an, denn das Auto Revuenon MC 50mm F1.4 ist eigentlich ein ganz normales 50mm-Objektiv. Deswegen muss ich wohl ein wenig ausholen:
Mitte der 1980er, kurz nach meiner Konfirmation, schenkte mir mein Vater eine Ricoh KR10 Super, mit der ich meine ersten Gehversuche in der Fotografie wagte. Irgendwann in den 10 Jahren danach kaufte ich mir einen gebrauchten Macro Telekonverter 2x von Ricoh, aber irgendwie verebbte Mitte der 1990er mein Interesse an der Fotografie. Als ich das Ganze dann mit meiner a6000 wiederbelebte, holte ich mir auch einen PK-E-Adapter und fing an, mit dem alten Pentax-Equipment zu experimentieren. Et voilà: Zusammen mit dem 50mm F2 von Ricoh war nun auch der Weg in die Makro-Fotografie möglich. Leider war das Ricoh-Objektiv damit überfordert, und ich musste mich nach einer Alternative umsehen. Auf einer anderen Seite wurde dann dieses Objektiv hoch gelobt, und als ich es für 50,- € bei ebay fand, schlug ich zu. Außerdem fehlte mir zu der Zeit noch ein lichtstarkes 50mm, und für den Preis konnte ich eigentlich nicht viel falsch machen. Und ja, der "Altglas-Container" hatte recht: es ist ein tolles Objektiv, das ich heute immer noch gerne nutze, für die Makrofotografie oder auch zum Bummeln, wenn ich einmal "richtig manuell" unterwegs sein will. Nebeninformation: ich hab mal einige Makrofotos, die ich mit dieser Kombi geschossen habe, einem Profi gezeigt, und er war hin und weg und hätte es mir gerne abgekauft. Aber ich wollte nicht... 😄

3.2. Minolta AF 100mm F2.8 MACRO

Eigentlich habe ich das 100mm F2.8 MACRO gar nicht gebraucht, da ich mit der Kombi Auto Revuenon MC 50mm F1.4 & Ricoh Macro Telekonverter 2x ja faktisch schon ein exzellentes 100mm F2.8-Objektiv hatte (Telekonverter verdoppeln nicht nur die Brennweite sondern faktisch auch den Belichtungswert). Und doch bin ich froh, dass ich es habe. Es ist ein exzellentes Makro-Objektiv, das sich mit seiner Schärfe auch nicht gegen moderne Objektive verstecken muss, und dank des Autofokus' ergänzt es mein 135mm, wenn ich eine Telesituation habe und nur mit dem Licht vor Ort auskommen muss.

3.3. Fehlt mir was?

Ehrlich gesagt: nein. Ich bin mit dem Setup in dem Bereich super zufrieden. Ich hab mal bei einem "Garten-Shooting" parallel das 50mm-Makro von Minolta gegengetestet und war eigentlich froh, dass ich mit dem 100mm nicht so weit 'ran muss. Ja, es gibt Drittherstellern auch noch A-Mount-Makro-Objektive mit 150mm und 180mm, aber dadurch werde ich kaum bessere Fotos machen. Und dass es faktisch noch keine E-Mount-Makro-Objektive jenseits der 100mm gibt, ist ja auch ein Zeichen dafür, dass man es nicht braucht. 

4. Nachtrag: Was ich aussortiert habe

4.1. Tamron AF 28-200mm F3.8-5.6 LD Asph. IF Super

Ja, ich geb zu, ich hab nicht nur die alten Minolta-Objektive. Aber die 28-200er von Tamron gibt es schon seit... ach, ich weiß gar nicht wie lange. Eine alte Pentax-Variante der 1. Generation, die ich mir in den frühen '90ern für meine Ricoh KR10 Super geholt hab, dümpelte bei mir noch 'rum, und die 2. Version (um die handelt es sich hier) lief mir für 29,- € (nein, kein Schreibfehler) bei einem Händler über den Weg. Ja, das Objektiv hat in der Abbildungsqualität seine Schwächen (gerade im Vergleich zum 28-135mm F4-4.5), aber es ist deutlich leichter und hat eine Naheinstellgrenze von gut 50cm, was gar nicht mal so schlecht ist. Beim Minolta AF 28-135mm F4-4.5 ist z.B. schon bei etwa 1,5m Schuss. Und 30,- € für Flexibilität kann man schon mal investieren, wenn man lernen und sich ausprobieren will. 

Warum hab ich es dennoch inzwischen aussortiert? Nun, ich habe festgestellt, dass ich es faktisch nicht mehr benutze. Als kleines "mal schnell in die Tasche geschmissen"-Zoom reicht mir das Minolta AF 35-105mm F3.5-4.5 aus. Die Lichtstärke ist vergleichbar, die fehlenden Milimeter stören mich im Alltagsbereich jedoch nicht. Aber das Minolta ist deutlich schlanker und unauffälliger als das Tamron. "Mal schnell in die Tasche geschmissen" geht mit dem Minolta deutlich leichter. Das 35-105mm ist zumindest mein "immerdrauf", das ich in der Tasche in der Regel noch mit dem 24mm/2.8 ergänze.

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